Impressum


 

Rekonstruktionen    historischer                                      

 

Reitkleidung    für Damen

Achtung: Auf dieser Seite sind nur einige Beispiele von Rekonstruktionen historischer Reitkleidung beschrieben. Für die Erläuterungen zu den Epochen und zu historischer Ausstattung und Darstellung als solcher, bitte die ausführlichen Texte hier lesen.

 

Spätmittelalter - Burgundische Mode

Houppelande (um 1440)

Houppelande mit gezattelten Schleppärmeln und Kelchkragen
aus rotgefüttertem, dunkelblauem Crepe mit Goldknöpfen.

Gürtel und schellenbesetzter Baudric aus Goldbrokat.
Nach dem Stundenbuch „Tres Riches Heures“ des Duc de Berry.

 

 

Ein Beispiel für eine der elaborierten Hauben
des 15. Jahrhunderts:

Man kann bereits ahnen, daß die Haltung der Reiterin mehr als königlich sein mußte, um einen solchen Balanceakt durchzuhalten.

Auch das Gangwerk der Pferde (besonders gerne genommen: paßgehende "Zelter") war mehr auf Annehmlichkeit des Reitens

als auf spektakuläre Schwungentfaltung hin ausgerichtet.

 

 

Das Gewand zu Pferde.

Beim Reiten mit seiner höheren Geschwindigkeit

sind die Schleppärmel mit ihren Zattelungen
besonders eindrucksvoll.

Im Mittellater sind bei Männern (Klerus) wie Frauen sowohl der Seitsitz als auch der Spreizsitz verbreitet.

 

 

 

Damen und Herren zu Pferde aus dem Stundenbuch

"Tres riches heures" des Duc de Berry.

 

 

Englische Spätrenaissance

Elisabethanisches Reitkleid (um 1585)

"Riding Attyre" einer elisabethanischen Adligen:

Wams ("Doublet") aus mehrfarbigem Damast und

dunkelblauer Ziegenhaar-Rock.
Getragen mit für das elisabethanische England typischen

Halskrause "Cuff" und Ärmelkrausen "Ruffs", einem

federgeschmückten Spanischen Hut und Rehlederhandschuhen

 

 

In der Hoch- und Spätrenaissance wurde neben den

öfters auf Gemälden zu sehenden extrem prächtigen Hofroben zu Pferde zumeist eher praktische, an die Männerkleidung

angelehnte Reise-, Reit- und Jagdkleidung getragen.

Das Wams, hier in Nahansicht, ist in allen Details wie ein

Herrenwams geschnitten und verarbeitet.

 

 

Einzelansicht des Straußen- und Paradiesvogelfeder-

geschmückten Spanischen Hutes und des

üblicherweise darunter getragenen, schmuckbesetzten Haarnetzes.


Ebenso sehr schön zu erkennen die mit
Spitzenabschluß versehene abgesteifte Halskrause - jede der einzelnen Bögen ist zu einer komplizierten 8er-Kurve gelegt und an einem Halsband angenäht.

 

 

Das Jagdkostüm zu Pferd.

 

 

 

 

Auch das Pferd hat selbstverständlich

Renaissance-Ausstattung mit goldbeschlagenem

Vorder- und Hinterzeug.

Geritten wird zeitgerecht auf blanker Stange.

 

 

 

 

Französisches Barock

Spätbarockes Jagdkostüm (um 1695)

Jagdkostüm für den Damensattel aus dunkelgrünem Samt mit gold/grünem Tressen- und Bortenbesatz.

Insbesondere im Spätbarock lehnen sich die Jagdkostüme der Damen eng an die Herrenkleidung an mit langem, gerade geschnittenen und tressenbesetztem Justaucorps und großen Ärmelaufschlägen. Deutlich läßt sich hier noch der militärische Ursprung der Kleidung erkennen.

Baroque Riding Habit green

 

 

Französisches Barock

Spätbarockes Jagdkostüm (um 1710)

Jagdkostüm für den Damensattel:

Justaucorps aus tiefrotem Moiré mit goldener Stickerei,

Weste aus rotgoldenem Damast und Reitrock

aus hellgoldenem Waschleder.

Besondere Accessoires sind die hellgoldfarbene Schärpe

und die Halsbinde, die "à la Steinkerke" getragen wird

(locker umgebunden, mit einem Ende durch

ein Knopfloch gezogen). Sie erinnert an die

(siegreichen) französischen Offizieren der

Schlacht von Steinkerke 1691.

Der Dreispitz aus Biberfilz ist dekoriert mit

handgeklöppelter Goldspitze, einer goldenen Hutschnur

und einem Kleinod mit französischem Adelsemblem.

 

 

 

Die passenden Stulpenhandschuhe aus

weissem Glacéleder sind bestickt mit

dem Muster der Jacke

 

 


 

Das Jagdkostüm zu Pferd.

Das Pferd wird zeitgerecht geritten auf blanker Stange mit durchhängenden Zügeln; der Stirnriemen ist geschmückt

mit einer passenden Rosette.

 

 

.

Französisches Rokoko

Reitkostüm (um 1770)

Jacke und Rock aus framboisefarbenem Moiré,

bestickt mit silbernen Amoretten und Blumen.

Weste aus wildrosenfarbenem Moiré,

ebenfalls mit Silberstickerei.

Knöpfe aus Silber mit Einlegearbeit aus Perlmutt

Getragen mit einem perlgrauen Dreispitz und Straußenfeder.

 

Diese Farbe ist durchaus ungewöhnlich für die
oft strengen Reitkleider in klassischen Farben;
hellfarbige, auffallende Reitkostüme
sind allerdings ebenfalls nachweisbar.

Dieses Kleid ist ein hübsches Beispiel dafür, wie sich die Erfindung eines "Alter Ego" fürs Damensattelkostüm lohnt: als Kleid einer Maitresse eines französischen Herzogs ist es hinreißend spektakulär und frech, als klassisches Reitkostüm einer seriösen Dame schlichtweg unmöglich.

 

 

Ansicht der Falteneinsätze an den Rückenschlitzen.

 

 

 

 

Nahansicht des Justaucorps

mit den weißen Spitzenmanschetten des Hemdes

und dem weißen Jabot aus Nottingham-Stickereispitze.

Spitze ist eigentlich ein "no go" für die Reiterin, aber nun ja -

eine Maitresse darf halt alles...

Das Jabot wird geziert durch einen brillantbesetzten Stern.

 

 

 

Nahansicht der Amoretten und Blumen in Silberstickerei.

 

 

 

 

Das Kleid zu Pferde im Damensattel.

Höfische Reiterei im Rokoko war zumeist

Renommieren in größtmöglicher Eleganz auf

(von Männern) bestausgebildeten Pferden.

Ein weiteres Bild dieses Reitkostüms zu Pferde findet sich hier

 

 

Französisches Rokoko

Reitkostüm (um 1770)

Die seriöse Version des "Maitressenkleides":

Jacke, Weste und Rock aus nachtblauem Samt,

üppig besetzt mit silbernen Besätzen aus

Bouillondrahtstickerei sowie Silberknöpfen.

Der Stil ist eng angelehnt an die üppigen Husarenuniformen

und nennt sich demnach auch "a la Hussarde".

 

 

Zubehör sind schwarzer kleiner venezianischer Dreispitz

mit Straßagraffe und schwarzer Straußenfeder

und weiße Glacélederhandschuhe

 

 

 

 

Nahansicht des Kleides.

 

 

 

 

 

Geplänkel mit einem Braunschweiger Husaren.

Deutlich zu sehen: die Hüftpolster, die die modische

querovale Form sogar bei Reitkleider garantierten.

 

 

 

Französisches Empire

Husarenuniform (um 1804)

Oben gezeigte Husarenuniform in der weiblichen Form.

Es war im 19. Jahrhundert üblich, daß hochgestellte adlige Damen als Regiments-Chefin eines (Elite)-Regimentes fungierten.

Die Uniform wird hier nicht getragen mit dem Tschako der Männerkleidung, sondern mit einem

napoleonischen Dreispitz und Reiherfederbusch.

 

Englisches Regency

Reitkleidung (um 1804)

Regency-Reitkleidung

bestehend aus elfenbeinfarbener Leinenchemise

und nachtblauem Schurwoll-Spencer im Stil "a la Hussarde"

mit schwerem Silberbortenbesatz und Silberknöpfen

getragen mit Glacéhandschuhen und nachtblauem Zylinder.

 

 

 

 

Das Reitkleid zu Pferde.

Reitkleider waren in der Regel rundum überlang,

um auf dem Pferd elegant herabzuhängen.

Saß die Reiterin ab, mußte sie das Kleid über dem Arm tragen.

Empire riding habit

 

 

Englisches Regency

Reitkleidung (um 1818)

Unter einem zweireihigen schwarzen Schurwoll-Spencer

mit bezogenen Knöpfen wird ein steingraues, überlanges Schurwollflanell-Unterkleid und eine langärmelige Chemisette mit Stehkragen und Klöppelspitzenrüschen getragen.

Zubehör sind Glacéhandschuhe, elfenbeinfarbene Seidencravate und Zylinder mit schwarzem Schleier und Hahnenfederbesatz.

 

 

 

Im Detail läßt sich der M-förmige Reverskragen des Spencers erkennen, der ab ca. 1806 in der Herrenkleidung sehr en vogue war

Reitkleidung für Damen leitete sich häufig in Schnitt und Dekor

direkt vom klassischen Herrenanzug ab.

 

 

 

 

 

In der Rückansicht wird das kleine, stark gefaltete

Schößchen sichtbar

.

 

 

 

 

 

Das Kleid zu Pferde.

 

 

Krinolinenzeit

Reitkleidung (um 1865)

Zweiteiliges Reitkleid aus schwarzem Schurwolltuch, bestehend aus überlangem Rock und durchgehend geknöpfter Schößchenjacke mit Spitzenkragen und Spitzenmanschetten.

Getragen mit einem Pfauen-, Schwanen- und Rabenfedern-verzierten Hut und weißem Seidenchiffon-Schleier sowie schwarzen Glacéhandschuhen.

Reitkleider dieser Art trug z.B. Kaiserin Elisabeth I.von Österreich ausgesprochen gerne. Unter dem hauteng gescheiderten Amazonenjäckchen wurde nicht nur von ihr

selbstverständlich ein Korsett getragen.

 

Im Detail läßt sich deutlicher das gewellte Schößchen sowie der kostbare Spitzenbesatz erkennen:

Der Kragen besteht aus originalgetreuer Klöppelspitze; die Manschetten aus echter Brüsseler Spitze.

 

 

 

Der Spitzenkragen im Detail.

 

 

 

 

 

 

Die Spitzenmanschette im Detail.

 

 

 

 

 

Das Kleid zu Pferde.

Kaiserin "Sisi" ließ sich so besonders gerne ablichten.

Man sieht hier deutlich die Überlänge des Rockes, die

(außer vorübergehend am Beginn des 19. Jhdts)

nur bei Kleidern der Krinolinenzeit tolerabel ist.

Generell waren Kleider zu Pferde immer eher bodenlang!

 

 

Auch in schnelleren Gangarten läßt ein solches Kleid die Reiterin immer elegant und unangestrengt aussehen.

Sportlichkeit war im 19. Jahrhundert bei Frauen zwar toleriert,

sollte aber als solche nicht deutlich zutage treten.

 

Gründerzeit

Reitkleidung (um 1888)

Schwarzes Reitkostüm aus schwerem Schurwolltwill, geschnitten und garniert "a la Hussarde" mit üppigem Posamentenbesatz.

In dieser Zeit wurden die weiten Röcke abgelöst durch der Alltagsmode entsprechende schmale Röcke.

Um trotzdem seitlich über den Sattelhörnern sitzen zu können,

wurden entsprechende Ausbuchtungen mit angeschnitten.

Nicht nur die eng anliegende "Taille" (das Oberteil),

sondern auch die Rockschnitte waren nun sehr kompliziert,

und das Anpassen höchste Schneiderkunst

Wenn man vom Pferd stieg, wurde der Rock hinten hochgeknöpft,

was wiederum eine schmale, elegante Silouhette erzeugte.

Selbstverständlich, daß solche Röcke

nicht mehr als bodenlang sein konnten

 

 

 

Trotz des schlichten Schwarz erscheinen gerade die

gründerzeitlichen Reitkleider wegen ihrer fantastischen

Schnittführung ausgesprochen elegant.

 

 

 

Keine Regel ohne Ausnahme: diese Dame trägt trotz hochmodischem Jäckchen, auch noch um 1880 einen weiten, überlangen Rock.

Sehr schön zu sehen ist hier der "neumodische" Pferdetyp des

19. Jahrhunderts: langer, sehr schlanker Huntertyp mit einer Halsform und -muskulatur, die heutige Reiterinnen schaudern läßt. Mit so einem Pferd ließ sich aber wunderbar im lockeren Kanter über schnelle Jagdstrecken mit vielen Sprüngen brausen...

 

 

Gründerzeit

Reitkleidung (um 1888)

Tannengrünes Reitkostüm aus schwerem,

weich fallendem Kaschmir, besetzt mit Samtaufschlägen.

 

 

 

 

 

Auch hier ist der Rückenteil mit

kleinen Schößchen, "Postillons", gearbeitet

.

 

 

 

Das Kleid zu Pferd.

 

 

Weihnachtszeit

Reitkleidung (um 2010)

Geht man zur Weihnachtszeit durch den verschneiten Winterwald, dann kann es ein, daß einem so eine kleine Reitdame begegnet...

Anspruch auf historische Korrektheit

erhebt dieses Kostüm allerdings nicht...