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Frauen im höfischen oder großbürgerlichen Bereich sind schon rein äußerlich oft recht üppig und unterstreichen ihre Sinnlichkeit noch durch prächtigste Kleidung.

Die Kleidung ist regional sehr unterschiedlich. Während die Frauen in Spanien, Deutschland und Flamen unter dem religiös begründeten Diktat der strengen "Spanische Mode" mit ihren steifen Miedern, der schwarzen Farbe und den hochgeschlossenen Mühlstein- Spitzenkragen stehen, brechen die Französinnen und mehr noch die Italienerinnen dieses Diktat selbstbewußt auf: Aus Mühlsteinkragen werden offene Spitzenkragen über tiefen Dekolletés, die vorgeschriebenen sittsamen dunklen Farben werden durch Gold, Silber und Weiß aufgehellt oder einfach völlig ignoriert.

Die Schnitte sind pompös, die verschwenderisch verwendeten Stoffe schwer und prächtig. Zur Volumenerweiterung der Röcke werden zunächst steife kegelförmiger Reifröcke getragen, die aber dann zeitweilig von dicken, um die Hüften geschnallten Lederwülsten abgelöst werden, die man als "Weiberspeck" bezeichnete. Die Männer tragen zur Heerpauke (einer kugelrund ausgestopften kurzen Hose) ein vollständig wattiertes Wams mit "Gänsebauch"-Optik, eine insgesamt derartig steife Kleidung, die an Bequemlichkeit den mittelalterlichen Rüstungen in nichts nachgestanden haben wird.

Der ständige Krieg mit seinen Landsknechten, die als Söldner ganz Europa bereisen, bringt bis zur Jahrhundertmitte Belebung in die Mode. Sie bevorzugen weite, grellbunte Kleidungstücke (die "Zerhauenen"), die extrem geschlitzt werden, und aus der ellenlang helles Unterfutter heraushängt: Die Hosenform der "Pluderhosen" wird von ihnen erfunden. Auch in der höfischen und damit in der tonangebenden Gesellschaftsschicht wird der Sitz der Kleidung lockerer (was sich aber leider nicht auf die weiblichen Schnürmieder bezieht).

Die Eitelkeit -insbesondere die männliche - feiert fröhliche Urständ und bringt Dinge hervor wie die "Rheingrafen" (weite Hosenröcke mit Rüschensaum), Bänder und Schleifen an allen Kleidungsteilen, rote hohe Absätze an den Schuhen und die verschwenderische Verwendung von Spitzen. Das Ganze gipfelt am Jahrhundertende in der bekannten Pracht des französischen Hofes zur Zeit des Sonnenkönigs.

In der Frauenbekleidung reicht es zu dieser Zeit schon lange nicht mehr aus, ein einzelnes Kleid zu tragen, man muss zeigen, dass man sowohl ein kostbares Unterkleid als auch einen ebenso kostbaren "Manteau" tragen (und bezahlen) kann. Damit aber beide Kleiderteile so richtig zur Geltung kommen, wird der Manteau nach hinten weggerafft und in raffinierte Draperien gelegt. Die Silhouette wird dadurch schmaler, was man noch durch Frisuren "a la Fontange" (eine Strumpfbandfrisur nach Madame de Fontange) verstärkte. Hierzu wurden die Haare mittels eines Spitzenbandes auf bis zu 50 cm hohen schmalen Drahtgestellen aufgebunden.

Die Männermode beruhigt sich allmählich und die Form des "Justaucorps" (einer über einer langen Weste getragenen, oft reich bestickten Jacke) entwickelt sich. Vorbild ist auch hier natürlich wieder ein Militärrock.

Dies ist im Grossen und ganzen die Form der Männerbekleidung, wie sich sich bis heute erhalten hat. Die einzige grössere Extravanganz in der Männermode am Ende des Jahrhunderts ist die naturfarbene lockenreiche (und extrem warme) Allongeperücke, die durch den nicht mehr ganz jugendfrischen Sonnenkönig eingeführt wird. Sie soll ihm sein ewig jugendlich-strahlendes Aussehen sichern und wird natürlich am Hof und in modischen Kreisen sofort kopiert.

Wenn Sie mögen, finden Sie hier ein kleines amüsantes Schauspiel, das anläßlich eines Vortrages aufgeführt wurde, über die Mode der "Galanten Jahrhunderte" Barock ("Age d'Or") und Rokoko ("Age de Lumière").

Wenn neben Mode auch das Speisen zu Ihren Vorlieben gehört, amüsiert Sie vielleicht auch die folgende Szene, die anläßlich eines Gala-Diners zu Aufführung kam, und das sich ebenfalls mit den "Galanten Jahrhunderten" beschäftigt.