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Ca. 1820-1876. Frauen werden gesehen als zarte beschützenswerte Wesen, die geliebt und umsorgt werden müssen. Sie finden ihren Wirkungskreis im häuslichen Bereich und ihre Rolle ist betont in der ästhetischen und gefühlsmäßigen Bereicherung der Gesellschaft zu suchen.

Diese Epoche ist in der Mode erstmals geprägt von einer relativ kontinuierlich fortlaufenden Entwicklung. Erstmals werden über die verschiedenen Damen-Journale Schnitte und Trends über ganz Europa verbreitet, erstmals gibt es eine dominante "Haute Couture", deren Vorgaben sich auch die einflussreichsten Damen zu beugen haben (als Beispiel gilt hier Kaiserin Eugenie und der legendäre Couturier Charles Worth), und erstmals kann man Kleider anhand von bestimmten Schnittmerkmalen mehr oder weniger genau auf ein bis fünf Jahre datieren.

 

Im frühen Biedermeier bewegt sich die Taille wieder an ihren natürlichen Platz (1820-1835), wo sie auch bis über das Ende dieser Epoche hinaus bleiben wird. Sie wird immer mehr in den Mittelpunkt gerückt, und muss immer zerbrechlicher wirken. Das wird zum einen durch immer extremeres Schnüren (und vorheriges Hungern) erreicht, die schöne korsettlose Zeit des Empire ist also vorbei. Zum anderen wird die gewünschte Linie aber auch optisch unterstützt durch Kleiderschnitte mit Riesenärmeln ("Hammelkeulenärmel"), Schultervolants und immer grösser werdenden Röcken.

Die Erfindung der Stahlreifen-Krinoline im Jahr 1856 ermöglicht in diesem Zusammenhang zur Jahrhundertmitte eine erhebliche Umfangserweiterung der Röcke, die mit den vorher verwendeten steifen Rosshaarunterröcken nicht im gewünschten Maße möglich gewesen war, ohne dass die Trägerin von deren Gewicht zu Boden gedrückt wurde.

Die Kleidung ist damit unpraktisch wie fast nie zuvor - neben den weitesten und längsten Röcken, sorgen zarteste und empfindlichste Stoffe dafür, dass die Trägerinnen ausser leichten Handarbeiten und gelegentlichen Kutschfahrten nicht mehr viele Tätigkeiten verrichten können - aber sie ist mädchenhaft-weiblich, sanft und schön.

Schmeichelnde Ausschnitte lassen Schultern grazil hervorleuchten. Die Stoffe werden wieder pastellfarben und teilweise sind die Kleider ganz aus Spitze. Für das Verständnis: erstaunlicherweise ist Baumwolle (damals noch sehr exclusiv aus Indien importiert) ein sehr beliebtes Material.

Gegen Ende der Periode finden immer wieder Zitate aus vergangenen Epochen Verwendung in der Mode. Dieser sogenannte "Historismus", der auch in der Architektur und bildenden Kunst seinen Niederschlag findet, wird in der Gründerzeit noch stärker ausgeprägt.