Impressum


Obwohl sich die Rolle der Frau an dem, was man unter Antike verstand, orientiert, Frauen auch in philosophischen Zirkeln mitdebattieren, sollen sie doch auf der anderen Seite weiterhin zarte und sanfte Wesen sein- und weiblich, weiblich, weiblich.

Die zeitliche Einordnung des Empire, bzw. des englischen Regency, liegt relativ eng in den Jahren zwischen 1795 und 1820, wobei sich das Regency im Großen und Ganzen, wie auch in den Jahrhunderten zuvor, durch größere Vernunft bei Schnitten und Stoffen auszeichnet.

Die Kleidung des Empire kopiert in weiten Grenzen ebenfalls die antiken Vorbilder - oder das, was man dafür hielt. Grundlage ist immer das weich fließende, hoch gegürtete weiße Chemisenkleid aus feinster und dünnster Seide oder indischem Baumwoll-Mousseline. Es umspielt den Körper bei jeder Bewegung und stellt auf diese Weise durch den Gegensatz aus scheinbar strengem Schnitt und scheinbar unschuldigem Weiß die nahezu erotischste Kleiderform der gesamten Modegeschichte dar.

Die Schuhe dazu bestehen aus einer hauchdünnen Ledersohle und sind mit Bändern das Bein hinauf geschnürt - wieder ganz nach antikem Vorbild.

Vorreiter bei dieser Mode sind (natürlich) die Französinnen, bei denen es Wettbewerbe um das leichteste Kleid gab (die Kleider wurden tatsächlich ausgewogen). Man trug als Unterwäsche lediglich ein hautfarbenes Trikot, und es sind entrüstete Berichte biederer deutscher Frauen berichtet, in denen die "nackte Mode" im Sündenbabel Paris gebrandmarkt wird.

Die Kehrseite der Medaille sind reihenweise schwer unterkühlte bzw. an Erkältungskrankheiten gestorbene junge Frauen, die auch im Winter nicht mehr als ein Umschlagtuch über diesen hauchzarten Kreationen trugen, und die in den eiskalten, nahezu unbeheizten Schlössern ausharrten - und das nicht nur in Frankreich, sondern auch im von Frankreich geprägten Petersburg.

Neuere Forschungen haben ergeben, dass ein guter Teil der "Schwindsüchtigen" der damaligen Zeit (die man bislang als Tuberkulosetote interpretierte) ganz einfach den Kälte - und Grippetod erlitten. Bezeichnenderweise trugen alle diese Erkrankungen den summarischen Namen "Musselinkrankheit" nach dem hauchdünnen Baumwollstoff, aus der die Kleider bevorzugt zu sein hatten. Zum Hof wird die Chemise mit einer mehr oder weniger langen Schleppe ergänzt, die reich bestickt ist, und ein zeremonielleres, "angezogeneres" Kleidungsstück darstellt.

Die Länge der Schleppe von Courschleppe und Chemise ist streng reglementiert. Sie hängt vom Status ihrer Trägerin ab, und geht durchaus bis hin zu vier Metern. Es ist leicht vorstellbar, wie schwierig es war, eine Viermeterbahn hauchzarter Seide durch einen mit Möbeln und Menschen bestückten Raum zu lotsen (von denen der weibliche Teil ja ebenfalls Schleppe trug), ohne wesentliche Teile des Mobiliars umzureissen, oder sich mit einer der anderen Damen zu verheddern.

Anmut und Grazie waren jedoch ein derart wesentlicher Teil des weiblichen Lebens, dass in vielen langen Stunden derartige Unterfangen ausgiebig geübt wurden. Genauso geübt wurde übrigens das malerische in-Ohnmacht-sinken, eine Tat, bei der die Schleppe auch noch gefällig um den scheinbar leblosen Körper drapiert werden musste.

Die Männerkleidung im Empire erfährt nur einen erheblichen Bruch: Die Kniehosen werden zugunsten der "Sansculottes", der langen Hosen aufgegeben. Ansonsten wird sie lediglich weniger farbenprächtig als im Rokoko, und Farben und Schnitte ähneln schon sehr der heutigen Herrenmode.