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18. Jahrhundert. Frauen sind in diesem Spannungsfeld einerseits fröhliche, verspielte, betont erotische Geschöpfe, andererseits aber auch Mäzeninnen und Vorreiterinnen der neuen Ideen.

Die Farben der Kleidung sind - wie alles in dieser Gesellschaft - aufs höchste verfeinert. Zarte Pastelle schimmern in glänzenden Seiden- und Moiré-Stoffen mit dem leuchtenden Weiß kostbarster Spitzen um die Wette. Aufwendigste Stickereien von oft hochdotierten (aber leider selten bezahlten) Stickerinnen zieren Kleider, Westen und Jacken. Ein Hofkleid kann durchaus den Gegenwert eines gesamten Landgutes haben, gute Spitzen sind teurer als Diamanten und werden auch als Halsschmuck getragen.

Die Schnitte sind weit und üppig, oft verspielt und gerne mit großem Dekolleté. Die Frauenkleider behalten die Aufteilung in Jupe (=Unterrock) und Manteau (=Oberkleid) bei, die sie im späten Barock hatten.

Daneben entwickelt sich aus dem "Negligé", einem sackartigen Hausgewand, das aber sehr wohl über Schnürmieder und Reifrock getragen wurde, die "Adrienne".

Diese ist ein Zwischending beider Kleiderformen, in dem das weite Negligé noch durch eine am Halsausschnitt angesetzte, reichgefaltete und nahtlos ins Kleid übergehende Schleppe erhalten ist. Dieser Schnitt nennt sich "Watteaufalte", nach dem gleichnamigen französischen Hofmaler, auf dessen Gemälden diese Kleiderform häufig zu sehen ist.

Die Rockformen gehen vom runden Reifrock bis hin zum extremen Queroval der "Grande Parure" genannten prunkvollen Hoftoilette mit meterlangen seitlichen "Auslegern". Andererseits wurde am Ausgang des Jahrhunderts das knöchelkurze Kleid "a la Polonaise" modern, eine Kleiderform, die wiedergibt, was sich die höfische Gesellschaft zur Zeit Marie Antoinettes so unter einem Kleid einer polnischen Schäferin vorstellte.

Erstmals in der Mode ist eine regionale Unterscheidung der Kleidung innerhalb Zentraleuropas nicht mehr möglich. Frankreichs Hof dominiert die Rokoko-Gesellschaft und diktiert neben der Lebensart natürlich auch die Mode. Lediglich die kühleren Briten lassen sich nicht ganz mitreissen und entwickeln ihren eigenen, praktischeren und tragbareren Stil. Die Schnitte bleiben gemässigt, Kapriolen und Extreme finden keinen Eingang in die englische Kleidung. Die Modeszene würdigt das, indem sie die verschiedenen Kleiderformen als "a la Francais" (d.h. mit querovalem Reifrock, Watteaufalte und grossem Aufputz) und "a la Anglais" (d.h. mit relativ kleinem runden Reifrock und einfachem Schnürmieder) benennt.

In England entwickelt sich gegen Ende des Jahrhunderts bereits vor der Französischen Revolution die Vorstufe zum hochgegürteten Empirekleid mit nach oben versetzter Taille, die ohne Reifrock getragen wurde - eine Tatsache, die kaum bekannt ist.

Die Männerkleidung behält die "Justaucorps" genannte lange Jacke mit grossen Ärmelaufschlägen bei, die lediglich im Laufe der Zeit etwas schlanker in der Silhouette wird, und die zusammen mit langer Weste, Spitzenhemd und Kniehosen die in Europa einheitliche Tracht darstellt. Auch hier tragen die Engländer schon relativ früh eine weniger opulente Version mit noch schlankerer Jacke mit kleineren Ärmelaufschlägen, ohne grosse Stickereien oder Spitzenmanschetten. Sie ähnelt schon sehr der späteren Empire- und Biedermeiertracht.

Die Hofkleidung ist derart teuer (und unbequem), dass sie auch nur zu offiziellen Anlässen getragen wird. Zu Hause legt man sofort Kleid oder Herrengala und die Perücken ab und trägt Negligé oder wattierten Schlafrock und Schlappen. Den Kopf bedeckt eine Haube oder Nachtmütze, denn der Kopf war oft der Perücken wegen kahlrasiert, aber auch damit man die Krätze besser behandeln konnte.

Es war ein Muss, kostbar gekleidet zu sein, und dementprechend ruinös für seine Besitzer war auch die Anschaffung der stets neuen Garderobe. Interessanterweise besass eine vornehme Frau neben der Vielzahl an Galas aber nur ein bis zwei Unterröcke und musste, wurden diese (in seltenen Fällen) gewaschen, das Haus hüten.

Phantasievoll wie alles in dieser Zeit sind im Übrigen auch die Namen der Stoff-Farben: Floh (spezifiziert nach alter und junger Floh, Flohrücken, Flohschenkel, usw.), vergifteter Affe und sterbender Affe, Nönnchenbauch, Pipi vom Dauphin oder Gossendreck sind einige davon.

Im Gesicht und Dekolleté werden die berühmten "Mouches", die schwarzen Schönheitspflästerchen getragen, von denen ebenfalls jedes einen bestimmten Namen und eine Bedeutung erhält, vergleichbar der Blumensprache des 19. Jhdts. Die naturfarbene lockenreiche und extrem warme Allongeperücke des späten Barock wird abgelöst durch kleinere Perücken unterschiedlichster Form, die fast ausschliesslich weiss oder grau gepudert werden.

Wenn Sie mögen, finden Sie hier ein kleines amüsantes Schauspiel, das anläßlich eines Vortrages aufgeführt wurde, über die Mode der "Galanten Jahrhunderte" Barock ("Age d'Or") und Rokoko ("Age de Lumière").

Wenn neben Mode auch das Speisen zu Ihren Vorlieben gehört, amüsiert Sie vielleicht auch die folgende Szene, die anläßlich eines Gala-Diners zu Aufführung kam, und das sich ebenfalls mit den "Galanten Jahrhunderten" beschäftigt.